Es gibt Nachrichten, bei denen du dreimal hinschaust, ob da nicht eine Null zu viel steht. 2,88 Promille. Mittwochmittag. In einer Wohngegend. Am Steuer eines Lkw. Das ist nicht „ein Bier zu viel". Das ist die Frage, wie der Mann überhaupt noch den Zündschlüssel gefunden hat.
Am Mittwoch, dem 9. Juli, gegen 13 Uhr, geht bei der Polizei in Schwerin ein Hinweis ein: Ein Lkw-Fahrer im Stadtteil Göhrener Tannen fährt auffällig. Ein Zeuge hat den 42-Jährigen beobachtet und sich gedacht: Den muss ich melden. Völlig zu Recht, wie sich herausstellt.
Die Beamten des Polizeipräsidiums Rostock rücken an, kontrollieren den Fahrer — und machen den Atemalkoholtest. Der schlägt mit 2,88 Promille aus. Zur Einordnung: Ab 0,5 Promille ist man als Pkw-Fahrer dran. Ab 1,1 Promille ist es eine Straftat. Ab 2,0 Promille sprechen Mediziner von einer schweren Alkoholvergiftung. Der Mann war nicht angetrunken — er war klinisch betrunken.
Der Fahrer ist weißrussischer Staatsbürger. Das macht die Sache nicht einfacher — ein ausländischer Führerschein, ein Lkw mit ausländischem Kennzeichen, und die Frage: Fährt der morgen weiter, nur woanders? Die Polizei hat die Weiterfahrt sofort untersagt, den Führerschein sichergestellt und eine Blutprobe angeordnet. Gegen den Mann läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Trunkenheit im Verkehr.
Für Berufskraftfahrer gilt in Deutschland die 0,0-Promille-Grenze. Nicht 0,3. Nicht 0,5. Null. Wer mit 2,88 Promille am Steuer eines 40-Tonners sitzt, riskiert nicht nur den Führerschein — der riskiert die Existenz. Ohne Fahrerlaubnis kein Job. Mit einer Straftaten-Akte in Deutschland kein Visum. Der Mann hat sich mit ein paar Gläsern zu viel seine gesamte berufliche Zukunft in Deutschland zerschossen.
„Die Beamten stellten einen Alkoholwert von 2,88 Promille fest. Sie untersagten dem Fahrer die Weiterfahrt und veranlassten eine Blutprobenentnahme. Der Führerschein wurde eingezogen und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet."
Bei 2,88 Promille ist das zentrale Nervensystem massiv beeinträchtigt. Die Pupillen reagieren kaum noch, die Motorik ist schwer gestört, das Sichtfeld stark eingeschränkt. Die meisten Menschen liegen bei diesem Wert irgendwo — nicht am Steuer. Dass der 42-Jährige überhaupt noch einen Lkw bewegen konnte, spricht entweder für eine extreme Alkoholgewöhnung oder dafür, dass die Kontrolle kurz vor dem endgültigen Blackout stattfand.
Die Polizei hat durch den Zeugenhinweis vermutlich ein Unglück verhindert. Göhrener Tannen ist ein Wohngebiet mit Schulen, Einkaufsmärkten, Busverkehr. Ein 40-Tonner, gesteuert von jemandem mit 2,88 Promille — das kann in Sekunden zur Katastrophe werden.
Für die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern ist es nicht der erste alkoholisierte Lkw-Fahrer in diesem Monat. Erst vor einer Woche zogen Beamte in Sundhagen einen Fahrer mit 2,3 Promille und einer Druckluftwaffe aus dem Verkehr. Zwei Fälle, zwei Mal massiv über der Grenze, zwei Mal nur knapp an einer Tragödie vorbei.
Alkohol am Steuer ist kein Kavaliersdelikt — und bei Lkw-Fahrern schon gar nicht. Wer mit 40 Tonnen auf der Straße unterwegs ist, trägt Verantwortung für das Leben anderer. 0,0 Promille heißt 0,0. Kein Spielraum, keine Ausrede, keine zweite Chance.