Manche Geschichten sind so absurd, dass du sie keinem Disponenten erzählen kannst — der würde dir kein Wort glauben. Diese hier ist wirklich passiert. Am Dienstag auf der B96 bei Sundhagen.
Der Ablauf, den die Polizei später rekonstruierte: Ein 45-jähriger Lkw-Fahrer hat auf der B96 in Richtung Stralsund einen Reifenplatzer. Er stellt den Lkw ab, ruft den Pannendienst. Wartezeit: zwei Stunden.
Was macht man in zwei Stunden Wartezeit an einer Bundesstraße in Vorpommern? Dieser Fahrer hatte eine klare Vorstellung: Er trank drei Dosen Gin Tonic und einen Liter Bourbon-Cola-Gemisch. Nicht etwa aus Langeweile — sondern offenbar aus einem Missverständnis des Begriffs „Pannenhilfe".
Dann kam der Pannendienst, der Reifen wurde gewechselt — und der Fahrer setzte sich wieder hinters Steuer. Mit 2,3 Promille.
Andere Verkehrsteilnehmer wurden auf die unsichere Fahrweise aufmerksam und alarmierten die Polizei. Als die Beamten die Fahrertür öffneten, schlug ihnen sofort eine Alkoholfahne entgegen. Der Atemalkoholtest bestätigte den Verdacht: 2,3 Promille — das ist das Fünffache der 0,5-Promille-Grenze, und für Lkw-Fahrer gilt sowieso 0,0.
Die Polizei ordnete eine Blutprobe an. Bei der Durchsuchung des Fahrers fanden die Beamten in seinem Rucksack: eine Druckluftwaffe — geladen, mit Magazinen und Geschossen — sowie ein Tierabwehrspray.
„Ich hatte einen Reifenplatzer und zwei Stunden auf den Pannendienst gewartet. In der Zeit habe ich drei Dosen Gin Tonic und einen Liter Bourbon-Cola getrunken — und bin dann weitergefahren."
Die Kriminalpolizei ermittelt jetzt wegen Trunkenheit im Verkehr und Verstoß gegen das Waffengesetz. Für den Führerschein bedeutet das: Der ist erstmal weg. 2,3 Promille sind nicht nur eine Ordnungswidrigkeit — ab 1,1 Promille ist es eine Straftat, auch ohne Unfall. Dazu kommt die MPU, und die wird bei dem Wert nicht einfach.
Die Druckluftwaffe? Die ist in Deutschland ab 18 Jahren zwar erlaubnisfrei — aber nicht im Straßenverkehr, und schon gar nicht in Kombination mit 2,3 Promille. Die Waffe und die Munition wurden sichergestellt.
So absurd die Geschichte klingt — der Fahrer hätte jemanden umbringen können. Ein 40-Tonner in Schlangenlinien auf einer Bundesstraße. Mit 2,3 Promille beträgt die Reaktionszeit ein Vielfaches der normalen. Der Bremsweg verlängert sich auf ein Mehrfaches. Dass kein Unfall passiert ist, ist pures Glück.
Für Lkw-Fahrer gilt die 0,0-Promille-Grenze. Nicht 0,3, nicht 0,5 — null. Wer sich nicht dran hält, riskiert nicht nur den Führerschein, sondern auch die Berufskraftfahrer-Qualifikation. Ohne Schein kein Job. Und mit einer MPU-Akte wird die Jobsuche nicht leichter.