11,1 Pleiten je 10.000 Unternehmen — kein anderer Wirtschaftszweig in Deutschland hat eine höhere Insolvenzrate als die Logistik. 121 Speditionen haben im ersten Quartal 2026 dichtgemacht. Und Experten sagen: Das wird noch schlimmer.
Der aktuelle Falkensteg-Insolvenzreport zeigt: Die Pleiten in der Transportlogistik sind von 133 im Schlussquartal 2025 auf 121 im ersten Quartal 2026 gesunken — ein Minus von neun Prozent. Klingt nach guter Nachricht, ist es aber nicht.
Denn laut Statistischem Bundesamt (Destatis) liegt die Insolvenzhäufigkeit in „Verkehr und Lagerei" bei 11,1 Fällen je 10.000 Unternehmen. Platz 1. Vor dem Gastgewerbe (9,7) und dem Baugewerbe (8,8). Und die sieben Großinsolvenzen (Firmen mit über 10 Millionen Euro Umsatz) sind doppelt so viele wie im Dreijahresdurchschnitt.
Gunter Fittkau, Partner bei Falkensteg „Die Zahlen bedeuten jedoch keine Entwarnung für die Branche, denn beide Werte liegen auf einem hohen Niveau. Wer sich heute noch auf Festpreisverträge ohne Indexklausel einlässt, handelt unternehmerisch fahrlässig."
Die Mischung macht's: Dieselpreise auf hohem Niveau, steigende Personalkosten, die neue CO₂-Maut, und dazu eine schwächelnde Industriekonjunktur mit niedrigen Frachtraten. Ein Teufelskreis: Die Kosten steigen, die Erlöse sinken. Und wer langfristige Festpreisverträge ohne Indexklausel abgeschlossen hat — der darf jetzt zusehen, wie die Marge ins Negative rutscht.
Der tödlichste Cocktail: Kraftstoff muss sofort bezahlt werden, Kundenzahlungen kommen erst nach Wochen. Das Liquiditätsloch reißt kleine und mittlere Speditionen in die Knie. Die KfW-Bank spricht von „struktureller Unterfinanzierung" in der Branche.
Im Mai hat es eine Spedition erwischt, die seit 1967 auf der Straße war: Die Roth Logistics GmbH aus Möckmühl im Landkreis Heilbronn stellte einen Insolvenzantrag. Grund: die explodierten Kraftstoffkosten. 38 Beschäftigte zittern um ihre Jobs. Die Firma hat den Sprung von der Ölkrise der 70er bis zur Coronakrise geschafft — und ist jetzt an etwas so Profanem wie dem Dieselpreis gescheitert.
Und Roth Logistics ist kein Einzelfall. Mit Betz International und Helrom sind zwei weitere bekannte Namen der Branche in Schieflage. Betz kämpft im Sanierungsverfahren, Helrom — eigentlich ein Vorzeigemodell für den Kombinierten Verkehr Schiene/Straße — musste nach gerade abgeschlossener Sanierung erneut Insolvenz anmelden. Wenn selbst innovative Anbieter zweimal binnen Jahresfrist umfallen, läuft etwas Grundlegendes falsch.
Eine Spedition, die pleite geht — das ist für dich keine Zahl in einem Insolvenzreport. Das ist dein Lohn, der nicht kommt. Dein Lkw, der stillsteht. Dein Dispo, der nicht mehr rangeht. Die Insolvenz der eigenen Firma trifft den Fahrer mit voller Wucht — von einem Tag auf den anderen.
Aber selbst wenn deine Spedition nicht unmittelbar betroffen ist: Die Branche unter Druck bedeutet, dass dein Chef jeden Euro zweimal umdreht. Das Diesel-Budget wird knapper, die Wartungsintervalle gestreckt, die Touren enger getaktet. Die CO₂-Maut hat die Kosten pro Kilometer nach oben getrieben — und wer zahlt? Nicht die Verlader. Die Spedition. Und die gibt den Druck an dich weiter.
Die Experten von Falkensteg und Atradius erwarten für 2026 einen weiteren Anstieg der Insolvenzen, besonders bei kleinen und mittleren Speditionen. Wenn du in einer kleineren Klitsche sitzt: Behalt die Lage im Auge. Wenn der Lohn später kommt oder die Stimmung im Büro komisch wird — nicht wegschauen.
Behalt deine Spedition im Auge. Wenn's komisch riecht — Lohn verspätet, Chef mauert bei Nachfragen, plötzliche Sparmaßnahmen — dann fang an, Kontakte zu knüpfen. Du bist als Fahrer begehrt, der Markt sucht dich. Aber wechsel nicht blind: Check vorher, ob der neue Betrieb finanziell stabil dasteht. Dein letzter Lohn von der alten Firma ist im Insolvenzfall erstmal weg. Bis das Insolvenzgeld kommt, vergehen Wochen. Fahr nicht für Luft.
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