Übermorgen ist es soweit. Am 1. Juli 2026 führt Holland die kilometerbasierte LKW-Maut ein — und das Eurovignette-Zeitalter ist Geschichte. War die Niederlande früher „einmal Vignette kaufen, fertig\", heißt es jetzt: Jeder Kilometer zählt. Und das kann teuer werden.
Für einen Euro-6-Sattelzug über 32 Tonnen in CO₂-Klasse 1 — das ist der ganz normale 40-Tonner, den die meisten von euch fahren — kostet der Kilometer auf niederländischen Autobahnen 20,1 Cent. Klingt wenig? Rechnen wir mal.
Rotterdam Hafen nach Arnhem, dann weiter zur deutschen Grenze bei Elten: knapp 150 Kilometer. Macht 30,15 Euro für EINE Tour. Hin und zurück? 60,30 Euro. Fährst du dreimal die Woche Holland an, landest du bei über 180 Euro pro Woche. Im Monat sind das über 700 Euro — nur für die Maut. Und das ist erst der Anfang.
Das ist der Hammer, den viele erst auf den letzten Drücker checken: Die deutsche Toll-Collect-OBU funktioniert in den Niederlanden nicht. Genauso wenig wie die belgische Satellic-Box. Du brauchst einen EETS-Anbieter — das sind europäische Mautdienstleister, die länderübergreifend abrechnen.
Zugelassen sind bisher sechs Anbieter: Axxès, Eurowag, TotalEnergies (AS24), Tolltickets, und zwei weitere. Die meisten LKW-Flotten haben bereits einen davon — viele über ihre Tankkarte. Aber wenn du nur Toll Collect hast und sonst nichts: Du darfst ab Mittwoch nicht mehr nach Holland. Ohne OBU eines zugelassenen Anbieters wirst du rausgezogen und zahlst Bußgeld. Die Kontrollen starten sofort.
Und nein, du kannst nicht „mal eben bar bezahlen\" wie in Deutschland. In Holland gibt es keine Einzelfahrt-Abrechnung. OBU oder draußen bleiben.
| Gewichtsklasse | CO₂-Klasse 1 (Euro 6) | CO₂-Klasse 3 | CO₂-Klasse 5 (E-LKW) |
|---|---|---|---|
| 3,5–12 t | 0,113 €/km | 0,092 €/km | 0,025 €/km |
| 12–18 t | 0,160 €/km | 0,129 €/km | 0,035 €/km |
| 18–32 t | 0,182 €/km | 0,148 €/km | 0,037 €/km |
| >32 t | 0,201 €/km | 0,165 €/km | 0,038 €/km |
Durchschnitt über alle Fahrzeuge: 0,191 €/km. Quelle: vrachtwagenheffing.nl
Vom 1. September bis 31. Dezember 2026 gibt es einen Abschlag von 22,3 % auf ALLE Tarife. Der gleiche 40-Tonner zahlt dann 15,6 Cent statt 20,1. Rotterdam–Grenze kostet dann nur noch 23,40 Euro statt 30,15. Das ist der „Einführungsrabatt\", mit dem die Regierung den Übergang abfedern will.
Aber Vorsicht: Januar 2027 werden die Tarife indexiert. Der Rabatt läuft aus. Was dann pro Kilometer fällig wird, steht noch nicht fest — die Richtung ist aber klar: teurer.
Heißt für dich: Wenn du regelmäßig Holland fährst, klär JETZT mit deinem Dispo oder Chef, welcher EETS-Anbieter eure Flotte versorgt. Nicht morgen. Nicht nächste Woche. Heute. Mittwoch früh um 6 will dich kein Grenzpolizist rauswinken, weil „die Box noch nicht da ist\".
Für den klassischen Rotterdam-Hamburg-Lauf bedeutet die neue Maut auf der holländischen Seite rund 30 Euro extra. Das klingt nicht nach Weltuntergang — aber addier das mal auf 200 Arbeitstage im Jahr: 6.000 Euro extra, die dein Chef vorher nicht hatte. Und das nur für den NL-Anteil. In Deutschland zahlst du ja weiter Maut obendrauf.
Der Unterschied zum Eurovignette-System ist fundamental: Früher war Holland ein Fixpreis pro Jahr. Jetzt kostet jeder Umweg, jede Leerfahrt, jeder zusätzliche Kilometer. Die Zeiten, in denen du „mal eben über Holland\" gefahren bist, weil's kürzer war, sind vorbei. Jetzt musst du Maut gegen Zeitersparnis rechnen. Und dein Dispo sowieso.
→ Quelle: BALM — „Niederlande führen LKW-Maut ein\"
→ Quelle: VerkehrsRundschau — „Niederlande führen Lkw-Maut ein\"
→ Quelle: vrachtwagenheffing.nl — offizielles Mautportal
*Betroffene Routen checken? → Co-Pilot starten und Maut-Kosten auf deiner Route berechnen