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Fahrzeuge

Elektro-LKW 2026: Die Hersteller geben Gas — aber die Infrastruktur fehlt

Quelle: eurotransport · 10. Juni 2026

2026 ist das Jahr, in dem batterieelektrische LKW vom Prototypen-Status in die Serie gehen. Alle großen Hersteller haben Produkte am Start. Doch beim IAA Media Summit in Frankfurt wurde deutlich: Zwischen dem, was die Industrie liefert, und dem, was die Politik ermöglicht, klafft eine gewaltige Lücke.

Daimler Truck: eActros 600 in Serie

Ab Frühjahr 2026 laufen die Bänder für die zweite Generation des eActros 400 und eActros 600. Der eActros 600 ist für den schweren Fernverkehr ausgelegt — mit einer Reichweite von rund 500 Kilometern ohne Nachladen. Ab Herbst 2026 folgt der eArocs 400 für den urbanen Bauverkehr.

Ein besonderes Highlight: Ende 2026 startet die Kleinserienproduktion von 100 Brennstoffzellen-LKW (GenH2). Wasserstoff bleibt also eine strategische Option, vor allem für wirklich lange Strecken.

„Die CO₂-Regulierung ist vollständig von der Realität abgekoppelt. Infrastruktur und Gesamtbetriebskosten laufen nicht synchron mit den Vorgaben." — Karin Rådström, CEO Daimler Truck

MAN: Megawatt-Laden und Frust über Bürokratie

MAN hat mit dem eTGX und eTGS seit 2025 rund 500 Fahrzeuge im Einsatz — teils mit über 150.000 Kilometern Laufleistung. 2026 steht im Zeichen des Megawatt-Charging-Systems (MCS): Damit lässt sich ein E-LKW in der gesetzlichen Pausenzeit von 45 Minuten nachladen.

Doch MAN-Chef Dennis Affeld macht Druck: „Jeden Tag sehen wir viele Hürden — von mangelnder Ladeinfrastruktur bis hin zu lähmender Bürokratie." Der EU-Emissionshandel ETS 2 für den Verkehrssektor wurde bereits zum zweiten Mal verschoben — jetzt auf 2028.

Volvo: FH Aero mit E-Achse

Volvo Trucks bringt 2026 den FH Aero mit elektrischer Antriebsachse auf den Markt. Über 1.000 Volvo E-Trucks sind in Deutschland zugelassen — aber die Zulassungskurve bleibt flach. Der Grund: fehlende Ladeinfrastruktur und unsichere Förderpolitik.

Iveco: Elektro-Portfolio komplett

Iveco macht 2026 sein Portfolio komplett elektrisch: vom eJolly-Transporter bis zum S-eWay — einer vollelektrischen Sattelzugmaschine für den schweren Fernverkehr. CEO Christian Sulser findet klare Worte:

„Es ist nicht hinnehmbar, dass es bislang nahezu keine Ladeinfrastruktur für Nutzfahrzeuge gibt."

Renault Trucks: 600 km mit dem E-Tech T 780

Renault Trucks erweitert sein E-Angebot um den E-Tech T 780, der mit einer Reichweite von bis zu 600 Kilometern und Vorbereitung für das Megawatt Charging System aufwartet. Dekarbonisierung versteht Renault als schrittweisen Prozess — Technologieoffenheit sei der Schlüssel.

Die bittere Realität in Zahlen

Fazit

Die Technik ist da. Die Fahrzeuge sind da. Spätestens nach der IAA Transportation im September 2026 in Hannover wird das jeder sehen können. Aber ohne Ladeinfrastruktur entlang der Autobahnen und auf den Betriebshöfen bleiben die E-LKW im Schaufenster stehen. Die Branche liefert — jetzt ist die Politik am Zug.